Category:Georges Carette/de

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Georges Carette (1861-1954) siedelte im späten 19. Jahrhundert von Frankreich nach Deutschland über und gründete 1886 seine Spielzeugfabrik George Carette & Co in Nürnberg, einem Ort, der für Spielzeugherstellung bekannt war.

Zu Beginn wurden hauptsächlich Blechspielzeuge produziert, im frühen 20. Jahrhundert entwickelte man dann auch dampfbetriebene Modelle. Vgl. Carette Stirling.

Die Marke „Carette“ ist in England am besten bekannt für ihre 0 Spur Eisenbahnwagen, die Carette für Bassett-Lowke herstellte.

Geschichte

1886-1895 Carette's Unternehmen wurde von den Bing Brüdern Ignaz und Adolf Bing mitbegründet mit der Intention, dass die Firma ein Zulieferer für Bing wurde. Sie beschäftigte eine beträchtliche Zahl von Arbeitern in der geräumigen Fabrik an der Schillerstraße 5 in Nürnberg und stellte eine Vielfalt von Produkten in ganz unterschiedlichen Materialien her.

Nach zehnjähriger Zusammenarbeit lösten sich Ignaz und Adolf Bing von der Firma ab und George Carette bildete ein neues Unternehmen unter seiner alleinigen Führung. Da die ursprüngliche Firma im Grunde ein Lieferant für Bing gewesen war, wird sie in der Rezeption meist außer Acht gelassen.

Vorkriegszeit

Beim Namen Georges Carette & Co denkt man gewöhnlich an seine neue unabhängige Firma, die in der Mitte der 1890er Jahre gegründet wurde. Das neue Unternehmen stellte eine Reihe von damals modischen Metallspielzeugen her, zum Beispiel magische Laternen (kein Wunder mit ihrem Bing Hintergrund), spezialisierte sich dann aber auf Produkte aus lithographiertem Blech. 1896 wurde auch ein Geschäft in Partnerschaft mit Paul Joseph Thal eröffnet. Abgesehen von einem Feuerausbruch in 1903, hat sich die Firma sehr gut entwickelt. Carette erwarb ein englisches Patent für einen verbesserten Schiebemechanismus in Modelllokomotiven und der Herstellung lithografierter Blechlokomotiven folgten solidere, dampfbetriebene Modelle. George Carette begann eine Kollaboration mit Bassett-Lowke und lieferte in der Folge Modelleisenbahnen für den britischen Markt.

Erster Weltkrieg

Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1914 wurde Carettes französische Staatsbürgerschaft jedoch zum Problem. Als Ausländer und Inhaber einer Firma war sein Vermögen in Gefahr beschlagnahmt zu werden. 1914 wurde das Unternehmen unter Zwangsverwaltung gestellt und Friedrich Pergher übernahm die Kontrolle. George Bassett und seine Frau kehrten nach Frankreich zurück. Kriegsbedingte Gesetze ordneten 1916 eine Auflösung der Firma an, und 1918 war die Firma in Liquidation.

Schließung

Beim Verkauf der Firma wurden Werkzeuge und Pläne für die nach britischem Vorbild gemachten Lokomotiven und Eisenbahnwagen von Bassett-Lowke aufgekauft. So konnten sie weiterhin, die Carette Serie verkaufen, welche sie zuvor importiert hatten, mit dem Unterschied, dass sie diese nun selber mit Carette Werkzeuganlagen in Großbritannien herstellten. Die Vermögenspapiere von „Continental“ Modelleisenbahnen wurden von Karl Bub erworben.

Stil

Das Erscheinungsbild von Carette's Eisenbahnen ist hauffig eleganter und verfeinerter als dasjenige der Nürnberger Nachbarn. In vielen Fallen zeigen Carette's statische Dampflokomotiven klarere Linien und einfachere Zylinderformen, wahrend der Nürnbergerstil dazu tendierte, große ungeschmückte Flächen mit Knöpfen oder andern zusätzlichen Details zu versehen. Carette's Produkte um die Jahrhundertwende hatten folglich ein weniger „barockes“ Aussehen. Es ist faszinierend, in unserem Museum einen Vergleich mit der Carette Stirling Lokomotive und dem Altersgenossen „Schwarzer Prinz“ von „Bing für Bassett-Lowke“ anzustellen. Der letztere wirkt eher plump und unförmig neben dem eleganten Carette Exemplar.

Chromolithographie

Der viktorianische Vorfahre der modernen Offset-Lithographie war die Chromolithographie, welche für Kunstdrucke und qualitativ hochstehende Kinderbuchillustrationen verwendet wurde. Anders als in modernen Offset-Verfahren, die mit einem mechanischen Vierfarbenprozess arbeiten und das Bild in gepunktete Farbschichten auflösen, arbeitete die ursprüngliche Methode mit Kunsthandwerkern, die die Linien und Punkte der einzelnen Farben von Hand übereinander malten. Diese Arbeitsweise brachte beeindruckendere Resultate hervor, als die schnellere und billigere mechanische Methode, die folgte. Mit der Chromolithografie wurden bis zu zehn verschiedene vom Künstler ausgemischte Farbschichten eingesetzt, um dem Original so nahe als möglich zu kommen. In einigen Fallen wurden die Farben sogar soweit dem Original angepasst, dass der Kunsthandwerker das Original nochmals kreierte. Der offensichtlich Nachteil dieser Methode war, dass sie so arbeitsintensiv war, und der spezialisierte Maler bis zu drei Monaten benötigte, um die Platten soweit zu perfektionieren, dass sie das Originalgemälde in lithographischer Form wiedergeben konnten.

Die simpelste Form von Chromolithografie benutzt ein Set von vier Farbblöcken und Linien, die auf Metall gedruckt werden. In ihrer komplexesten Form hingegen kann sie eine qualitativ hochstehende Handmalerei wunderschön reproduzieren. Ein großartiges Beispiel dafür, sind die beiden Wassertürme des Museums, welche bei Carette verfertigt wurden. Wenn man diese Stücke betrachtet, ist leicht vergessen, dass sämtliche Details der Turmfassaden gefälscht sind - die zurück gesetzten Fensterläden, die Leiter und die Strebepfeiler mit ihren Schatten und Schlaglichtern - sie alle sind auf eine einfache, flache Oberfläche gedruckt. Sogar die Werbeplakate, scheinbar auf den Turm gepflastert, sind teil des ursprünglichen Druckes mitsamt ihren winzigen Schattenwürfen.

Das Carette Unternehmen war daher mit Recht stolz auf ihre verschiedenen Druckprozesse. Ihre bedruckten Blechgegenstände sind meist erkennbar an den leuchtenden Farben und der großen Anzahl genauester Einzelheiten. Manchmal waren diese verfeinert und zurückhaltend eingesetzt (ein Beispiel dafür ist die satt blaue Cardean Lokomotive), wenn hingegen ein Stück „spielzeughaft“ aussehen sollte, wurden die Details karikaturartig übertrieben, sodass die sehr einfache Form des Spielzeugs in den Hintergrund tritt.

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